Wintersonnwende – Wintersolstice

Wie werden wohl die Menschen vor fünfhundert oder gar tausend Jahren Weihnachten gefeiert haben? Eines ist gewiss! Der Alltag im Mittelalter und der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert war jedenfalls von der christlichen Auffassung über die Stellung Gottes in der Welt bestimmt. Dabei war die Zeit um die Windersonnwende zunächst heidnischen Ritualen vorbehalten, bevor der Missionarseifer um sich griff und anstelle des Naturbezuges seine moralischen Glaubensmotive setzte. Selbst im 21. Jahrhundert begleiten uns immer noch naive Vorstellungen der unbefleckten Empfängnis. Und die Weihnachtsgeschichte hätte wohl besser ins Frühjahr, und daher nach alter Überlieferung zum Jahresbeginn gepasst, denn weidende Schafe sind selbst im vorderen Orient zur Winterzeit sehr unwahrscheinlich.

Die uns überlieferten Musikstücke dieser Zeit zeugen von einem »verhaltenen« Lebensgefühl. Gewisse Tonfolgen etwa waren tabu, da man sie als Teufelswerk anprangerte. Die Einschränkung der musikalischen Vielfalt lässt sich wohl unter dem Diktat moralischer bzw. religiöser Wertvorstellungen erklären. Dennoch schenkt die Musik uns heute noch einen faszinierenden Einblick in eine Epoche, wo Magie und Mystik das alltägliche Leben prägten. Ein Lebensgefühl, das in der heutigen technisch-rationalen Welt höchstens in der Fantasie oder tief im Herzen noch Platz hat.

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