Wahl 2002

Nur knapp an einer Katastrophe vorbei

Hohe Arbeitslosigkeit, zunehmende Unternehmenspleiten und rückläufige Wirtschaftskonjunktur haben das Vertrauen in vier Jahre rotgrüne Koalition geschmälert. Will man über den eigenen Tellerrand nicht hinausblicken und die Verantwortung für die wirtschaftliche Rezession landespolitischen Entscheidungsträgern übertragen, kann man damit vielleicht den Trend nach rechts zu rechtfertigen versuchen. Wer aber kosmopolitisch denkt und selbstverantwortlich handelt – und davon gehe ich bei Ihnen als Leser meiner Seite einfach aus -, der wird die Schuld für diese Entwicklung nicht einer fortschrittlich und ökologisch denkenden Regierung anlasten, zumal es sich im Moment tatsächlich um eine weltweite Wirtschaftskrise handelt.

Sicherlich ist es bedenklich, dass gerade viele Kleinunternehmer und mittelständische Betriebe in wirtschaftliche Not geraten und dadurch Arbeitsplätze in Gefahr sind. Und ich spreche dabei als Unternehmer aus eigenen Erfahrungen. Die Lösung kann aber nicht darin zu finden sein, dass wir uns an Werten orientieren, die vielleicht mal vor 20 Jahren aktuell waren und leider immer noch von christlich-demokratischen Lagern proklamiert werden. Ich sehe keinen Fortschritt darin, Atomstrom zu fördern oder uns in außenpolitische Querelen zu verstricken, die narzisstische Imperialisten anderer Nationen anzetteln.

Die neu gewählte rotgrüne Koalition kann in Europa und in anderen Ländern als Vorbild für eine fortschrittliche Regierungsform dienen, wo innovative Dienstleistungsunternehmen und hohe ökologische Standards für eine humane Lebensgrundlage sorgen. Wir können nicht so weitermachen, wie wir das bisher getan haben. Wer konservativ wählt, entscheidet sich für einen Rückschritt, der vielleicht kurzfristig noch einmal zu einem Aufflackern alter Wohlstandsallüren der 50er Jahre führt, aber mittelfristig mit Sicherheit einen Rückschritt bedeutet. Der Verfall einst blühender Kulturen vergangener Gesellschaftsepochen beweist uns deutlich genug, was geschieht, wenn wir unser System nicht den aktuellen Anforderungen anpassen. Die aktuelle Krise ist eine Aufforderung, Selbstverantwortlichkeit auf allen Ebenen zu beweisen.

Ein mittelständisch produzierender Unternehmer sollte sich bspw. überlegen, ob er sich nicht neue Abnehmer erschließt, die sich ökologischeren Zielen verpflichten, wie etwa Windkraftanlagen. Der arbeitslos gewordene Mitarbeiter sollte die Schuld nicht im Außen suchen, sondern sich fragen, ob er sich vielleicht nicht durch entsprechende Qualifikationen eine selbständige berufliche Basis schaffen kann. Krisen sind das Ergebnis ausgedienter Praktiken, die sich nicht mehr bewähren. Wer heute aus Angst und Unsicherheit wieder in solche Pfade investiert, wählt den Tod. Nur den Mutigen gehört die Welt!

Wer nicht nur sich selbst, sondern seinen Kindern eine gesunde Lebensgrundlage schaffen will, sollte sich selbstverantwortlich an der Gestaltung einer politischen Zukunft beteiligen, die sozialpolitische Gesichtspunkte ebenso berücksichtigt wie wirtschaftsökologische Standards. Nach dieser Wahl bleibt uns eine hauchdünne Chance, diese Werte noch einmal im Sinne einer tragfähigen Lebensgrundlage unter Beweis zu stellen, obgleich der »große Bruder« überm Teich noch immer den Taktstock schwingt, egal ob Schröder oder Stoiber das Orchester dirigiert.

Um im Sinne von Renate Schilling, meiner Redakteurin zu sprechen: »Eine Chance, wenn überhaupt, haben wir meiner Ansicht nach nicht durch, sondern trotz der Politik!«

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