Raubbau statt Nationalpark

Fränkische Buchen sanieren bayerischen Staatshaushalt

Nationalpark Steigerwald

Nach der von Edmund Stoiber 2003 verabschiedeten Forstreform wird seit Anfang 2004 großflächiger Raubbau an den fränkischen Buchenbeständen betrieben. Im Visier stehen besonders die alten, dicken Stämme, die die leere Staatskasse wieder auffüllen sollen. Wer in den letzten Monaten Spaziergänge durch die erwachte Natur im Jura und im Steigerwald unternahm, konnte viele „dicke Emmas”, so die liebevolle Bezeichnung der Naturschützer, fein säuberlich portioniert und gestapelt an den Forststraßen liegen sehen: dicke Buchenstämme, die zum Export für den Weltmarkt bereit liegen. Denn der Markt für Buchenholz ist attraktiv wie nie. Die Käufer stehen inzwischen Schlange und zahlen Höchstpreise, denn in fast allen Industrieländern wurden Buchen und Eichen nahezu vollständig abgeholzt. Vor allem Chinesen und das Nachbarland Österreich, das seinen Holzhaus-Bauboom befriedigen will, sind dankbare Abnehmer für die fränkischen Reichtümer.

Gerade der Steigerwald besitzt zahlreiche alte Buchen. Dass der Bayerische Staat sich nach dem vorläufigen Aus für einen Nationalpark Steigerwald an den dicken Emmas vergeht, lässt erahnen, dass er sich noch schnell bereichern will, sollte es doch noch zu einer Entscheidung pro Nationalpark kommen. Solche Holzentnahmen mindern jedoch die Qualität eines Gebiets, das für ein großes Naturschutzverfahren vorgesehen ist, denn es sind vor allem die alten Bäume, die den ökologischen Wert eines Waldes ausmachen. Vielleicht ist das auch eine Taktik, um ein endgültiges Nein zum Nationalpark zu erzwingen, denn die Bayerische Staatsregierung steht großflächigen Flächenstilllegungen ohnehin ablehnend gegenüber. Dies wird auch vom früheren Forstamtsleiter Georg Sperber, einem der besten Kenner des Steigerwaldes, bestätigt. „Unübersehbar wurden gezielt die stärksten Buchen gefällt. Im verbliebenen Bestand fehlt jetzt die Schicht dieser bisher vorherrschenden Bäume”, stellt der Förster mit Blick auf die Wintereinschläge im Forstrevier Schmerb fest. „Selbst langjährige Biotopbäume sind abgesägt worden, um Brennholz daraus zu machen”, meint Sperber.

Landrat Dr. Günter Denzler, CSU, steht indessen seit Jahren auf der Seite der Naturschützer. Für ihn ist der Steigerwald weltnaturerbeverdächtig. Er findet es verantwortungslos, wenn ausgerechnet hier die alten Bäume abgeholzt werden. Seiner Meinung nach könnte der Staatsforst auch die jüngeren Bäume nutzen. Dagegen hätte niemand etwas einzuwenden, denn das Fällen junger Bäume gefährdet nicht die Anwartschaft für einen Nationalpark.

Inzwischen hat das bayerische Kabinett am 12. Juli ein Zentrum für nachhaltige Bewirtschaftung im Steigerwald beschlossen anstatt die wertvollen Buchenwälder unter Schutz zu stellen. Damit stellt sich die Landesregierung hinter die wenigen Waldbesitzer und Sägewerksbetreiber, die vor allem durch Populismus und Falschinformationen über einen Nationalpark die Bevölkerung im Steigerwald verunsicherten. Selbst die an Umweltminister Markus Söder, CSU übergebenen 31.000 Unterschriften pro Nationalpark konnte die Regierung nicht umstimmen. Der Staatsregierung in Bayern geht es schon lange nicht mehr um Umweltschutz und langfristige Chancen der ländlichen Regionen in Nordbayern, sondern um Wählerstimmen und Profit durch Abholzung, um das Milliardendebakel der Hypo-Alpe-Adria wieder auszugleichen. Und Franken ist für Bayern ohnehin nur Freiwild, an dem man sie ungeniert bedienen kann.

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