Raubbau an fränkischem Naturerbe

Bayerische Staatsforsten – nachhaltig Ausplündern?

Der wachsende Hunger nach erneuerbaren Energien macht inzwischen auch vor den fränkischen Waldbeständen nicht mehr halt. Die Behörde „Bayerische Staatsforsten“ (BaySF) mit Sitz in Regensburg macht sich in den letzten Jahren ungeniert über fränkische Schätze wie Buchen, Eichen und Lärchen her. Seit den letzten 10 Jahren haben die bayerischen Holzschläger 2.500 m2 Wald in Brachen verwandelt, auf denen noch ein paar armselige Baumstängel wachsen dürfen. Das selbst verpasste Etikett „nachhaltig wirtschaften“ soll dabei vom schamlosen Waldlynchen ablenken. Im Vordergrund steht zum einen die Erfüllung überalterter Lieferverträge mit österreichischen Holzverarbeitungsbetrieben, die den Rohstoff zu einem Bruchteil des Marktwertes erhalten, um es teuer österreichischen Holzhäuslebauern zu verhökern. Zum anderen werden die Bestände wertvoller alter Hölzer an chinesische Importeure verramscht, die inzwischen mit langen Containerreihen im Steigerwald Schlange stehen.

Weiter lesen ...?

Während das Voralpenland und der Bayerische Wald inzwischen aus touristischen Gründen vermehrt verschont werden, kann man sich offenbar immer noch ungestraft an den fränkischen Reichtümern bedienen, nach dem Motto: „Dort will eh keiner mehr wohnen. Holen wir uns die Schätze und stellen auf den Kahlflächen gleich die Windräder zur Energieversorgung der Hauptstadt München auf!“ Nun wissen wir Franken auch, warum die Bayerische Regierung sich noch immer vehement gegen den geplanten „Nationalpark Steigerwald“ stellt. Doch sollte der Steigerwald wirklich durch eine EU-Verordnung unter Schutz gestellt werden – von Seehofer und Konsorten ist das ohnehin nicht zu erwarten –, müssen jetzt noch schnell die alten Bestände geplündert werden, die heute auf den Weltmärkten astronomische Preise erzielen, bevor sie nicht mehr gefällt werden dürfen.

Bayerische Staatsforsten. Nachahltiger Kahlschlag
Bayerische Staatsforsten. Kahlschlag statt Nachhaltigkeit

In der Tat bescherte der fränkische Waldsegen der bayerischen Behörde allein im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz von fast 410 Millionen Euro. Und es gibt noch jede Menge zu holen. Der Steigerwald und auch der Veldensteiner Forst (Fränkische Schweiz) sind mit edlen Laubhölzern gesegnet. Es gibt weltweit keine andere Industrienation, die noch über ein solches Erbe verfügt wie in der Region Franken. Ob dabei spätere Generationen noch profitieren können, ist der Bayerischen Staatsregierung heute völlig egal.

Statt uns um die Regenwälder in Südamerika zu sorgen, sollten wir besser die Tragödie beachten, die sich direkt vor unserer Haustüre abspielt. Wenn es so weitergeht, werden unsere Kinder keine alten Bäume mehr sehen, bei denen zwei Menschen nicht reichen, um den Stamm zu umfassen. Die BaySF kümmert sich auch nicht mehr um Aufforstung. Seit der Stoiberschen Forstreform sind dafür kein Geld und kein Personal mehr eingeplant. Man überlässt den Wald seinem Schicksal, inklusive der Flurschäden verursacht durch schwere Baumerntemaschinen. Doch die paar wenigen Mountainbiker, die es mal wagen, abseits der befestigten Piste zu fahren, werden vom Bayerischen Staatsförster zu hohen Geldstrafen verdonnert. Irgendwo muss das Geld ja herkommen für die Schäden, die die BaySF in unseren heimischen Wäldern hinterlässt! Kein privater Holzbesitzer könnte sich eine derartige Schandtat an einem wichtigen Kulturgut erlauben.

Schon jetzt werden erste Studien veröffentlicht, wonach in Bayern zur Zeit mehr als 10 Prozent mehr Holz entnommen wird als nachwächst. Von Nachhaltigkeit kann längst keine Rede mehr sein, weil vor allem 200-jährige und ältere Buchen vernichtet werden, deren immenser ökologischer Wert durch die gleiche Menge an jungem Holz niemals kompensiert werden kann. Bereits 2012 demonstrierten Greenpeace-Aktivisten im Spessart gegen den Ausverkauf der alten Buchenwälder. Die BaySF, die für die Bewirtschaftung der bayerischen Wälder verantwortlich ist, exportiert das wertvolle Buchenholz im Rohzustand nach China. Unterfranken steuerte dazu etliches bei, unter anderem einen 140 Jahre alten Ahorn aus dem Staatsforst nahe Arnstein bei Würzburg. Er wurde für 44 000 Euro versteigert – laut BaySF der teuerste Baum der Welt. Für Naturschützer ein Affront da ein unschätzbarer Verlust eines Naturerbes …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.