Lebensthemen

Gesund Leben

Eben noch trage ich gewissensstolz meinen Naturgreyerzer und die frische Demetermilch aus dem Bioladen, um zehn Minuten später wie hypnotisiert vor der Abfertigungstheke im berühmt-berüchtigten gelb-roten Fastfood-Restaurants zu stehen. Was ist mit meinen guten Vorsätze einer ganzheitlich gesunden Lebensweise, wenn sie spätestens beim Kauf des neuesten Mikrofaser-Oberteilschrei aus dem H&M scheitern? Gestern erspähte ich zwischen Aldimarktregalen unbemerkt meine grünaktivistische Nachbarin: Einen ganzen Stapel spottbilliger Plastikordner für ihre Kids zum Schulanfang lagen neben den prallen genmutierten Holländertomaten im Einkaufswagen. Spätestens da stach mir diese Heuchelei ins Gemüt, und ich fragte mich selbstkritisch, was mich immer wieder dazu veranlasst, der Inkonsequenz widerstandslos Tür und Tor zu öffnen. Wild entschlossen packte ich die Zucchini-Gigantomaten aus dem Einkaufswagen wieder ins Regal. Das Klopapier zumindest konnte ich mit ruhigem Gewissen auf’s Kassenband legen: „Ist es auch wirklich aus Altpapier und nicht chlorgebleicht?“

Ganze Industriezweige leben mittlerweile von Gesundheitsaposteln, denen das Überangebot denaturalisierter Lebensgewohnheiten auf den Magen geschlagen ist. Die einen leben davon, das sie schädigen, die anderen profitieren davon, dass sie vermeintliches Heil versprechen. So existieren beispielsweise die Fitnesszentren von den rettungsringgeplagten Mitgliedern, denen die biologisch tote Pizza aus der Mikrowelle ans Fell gewachsen ist. Um aus diesem Circulus vitiosus auszusteigen, muss heute jeder verantwortungs-bewusst entscheiden, was ihm seine Gesundheit Wert ist – obgleich in unserem System gesunde Menschen scheinbar unerwünscht sind. Die bringen kein Geld! So ist es auch kein Wunder, dass der deutsche Michel statistisch mehr Zeit zur Pflege seines PKW’s verwendet, als für das Wohlergehen seines Körpers zu sorgen, geschweige denn eine gesunde Psychohygiene zu pflegen. Danach sind die meisten Menschen von einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Gesundheit meilenweit entfernt. Schade, dass die monatlichen Kassenbeiträge gesundheitsbewusster Menschen Löcher stopfen müssen, die andere durch Nachlässigkeit gegenüber sich selbst aufreißen.

Wie alles Wichtige im Leben, ist auch »Gesund Leben« etwas Simples. Das fängt beim Essen an und hört beim Bewusstsein auf. Je aufwendiger und komplizierter desto krankheitsanfälliger! Höchste Zeit also, sich wieder auf das Einfache, Natürliche im Leben zu konzentrieren. Meist ist es auch das Schönste!

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