Kinder ohne Lobby

Leserbrief zum Artikel im FT vom 28.7.2010

Der erschienene Artikel »Giecher Kinder haben keine Lobby« vom 28. Juli bedarf noch einiger Berichtigungen und Ergänzungen. Nicht 4 Eltern haben Einwände gegen die Schulpolitik von Rektor Gerhard Langer erbracht, sondern meines Wissens sind alle Eltern mit der Aufteilung der ABC-Schützen in zwei Klassen für die Schesslitzer Grundschule und einer Klasse für die Hauptschule aus unterschiedlichen und zum Teil ungenannten Gründen nicht einverstanden. Dass erst durch den Widerstand der Eltern zumindest die Unterrichtstafel sowie die Garderobe im Flur auf die ergonimischen Bedürfnisse der Kleinen umgebaut wird, zeigt mangelndes Einfühlungsvermögen der Schulleitung gegenüber den Schützlingen. Wie das Problem der viel zu hohen Verkaufstheke für Pausensnacks oder der Bereitstellung von Spielmöglichkeiten in den Pausen geklärt wird, ist noch offen, von den vielen Bustransferen zu den Unterrichtseinheiten und der Nachmittagsbetreuung einmal ganz abgesehen.

Interessant ist aber das Schreiben von Herrn Langer an alle Eltern der Erstklässler als Antwort auf den Artikel im FT. Hier lobt er die demokratischen Rechte als Errungenschaft unserer Kultur. In der Auseinandersetzung mit den Eltern hinsichtlich dieser Einschulungspraktiken war davon allerdings nichts zu spüren. Herr Langer ist von seinen Prinzipien keinen Millimeter abgewichen. Da halfen auch keine Beschwerden bei übergeordneten Stellen wie Schulamt und Rathaus. In einer Demokratie gelten u.a. neben der Findung von Kompromissen das Prinzip der Mehrheit. Offenbar verwechselt Herr Langer demokratisches Verständnis mit hegemonialen Machtbefugnissen.

Dass Kinder in Schesslitz generell keine Lobby haben – ein Begriff, den übrigens der FT in diesem Zusammenhang ins Spiel gebracht hat -, beweist auch der Umstand, dass die Umbauarbeiten der Giecher Schule und des Schesslitzer Kindergartens seit Jahren stagnieren. Da hilft auch das Argument der Fördermittelbewilligung wenig. Wenn der Gemeinde Kinder wichtig wären, dann hätte man hier in Vorleistung gehen können, denn am Geld scheint es jedenfalls nicht zu scheitern. Hier saniert die Stadt Schesslitz mit hohem finanziellen Aufwand Friefhofswege in Peulendorf und Giech, während am kommunalen Kindergarten in Giech äußerlich beträchtlich die Fassade bröselt. Jeder soziale Wohnungsbau hinterlässt einen besseren Eindruck. Die Stadt Schesslitz sollte sich ernsthaft die Frage stellen, ob sie ihr Geld einem Totenkult weiht oder lieber in das Potenzial einer künftigen Generation investiert. Und hier spiegelt sich auf kommunaler Ebene auch die bundesweite perspektivlose Politik wider. Leider ausgetragen auf dem Rücken zukünftiger Generationen!

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