Kinder brauchen eigene Erfahrungen

Plädoyer für natürliche Lebensräume

Kinder brauchen Spielräume

Mehr als die Hälfte aller Kinder wachsen heute weltweit in urbanen Regionen auf. Statt Ruhe und Natur dominieren Verkehrslärm und Industriebauten und beeinflussen so die Entwicklung der künftigen Generationen. Auch in Deutschland werden über 50 % der Kinder in geschlossenen Räumen groß, Kindergarten und Schule eingerechnet. Sogar Kinder auf dem Lande sitzen lieber vor dem PC oder Fernseher, statt im Freien Erfahrungen zu sammeln, die für eine gesunde Entwicklung wichtig sind. Hinzu kommt, dass die Eltern heute ihren Kindern nichts mehr zutrauen und sie kaum noch alleine lassen. Jede Bewegung wird kontrolliert. Und wenn es hinaus in die Natur geht, dann nur noch mit Schutzhelm und Knieschonern.

Aus Angst, das Kind könnte sich verletzen oder gar entführt werden (was statistisch immer weniger geschieht), werden Kinder um ihre Freiheit und Eigenständigkeit gebracht. Dabei müsste ein Kind statistisch 600.000 Jahre an einer Straßenecke stehen, bis es entführt wird. Sie haben keinen Raum mehr, sich selbst zu erfahren und aus Fehlern oder Verletzungen zu lernen.

Eltern und Gesellschaft sind dem Wahn verfallen, alle Risiken kontrollieren und abfangen zu wollen. Als die Süddeutsche Zeitung im vorletzten Jahr eine Satire über die absolute Kontrolle der Kinder via GPS-Sender veröffentlichte, riefen Tausende von Eltern in der Redaktion an, wo man denn dieses Gerät kaufen könne. Inzwischen ist dies Realität.

Dabei haben die meisten Eltern vergessen, in welch großzügiger Freiheit sie einst aufgewachsen sind. In den sechziger bis achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts mussten Kinder meist keinerlei Beschränkungen hinnehmen. Es gab weder Handys noch übertriebene Sicherheitsvorschriften. Siedlungsnahe Wiesen, Bauplätze oder leerstehende Häuser waren die Abenteuer-Spielplätze der Kinder. Heute findet das Abenteuer des Lebens auf der CD-Rom statt. Wald und Ruinen sind verboten. So nimmt es nicht Wunder, dass der Verlust von Freiräumen mit einer Zunahme von psychischen Beeinträchtigungen einherging. Inzwischen leiden fast 50 % der Jugendlichen an psychosomatischen Beschwerden, knapp ein Sechstel aller Kinder hat Depressionen, Angst oder Essstörungen. Jedes fünfte Kind leidet an ADHS und nimmt die Droge Ritalin.

Neue Ansätze, wie etwa der Waldkindergarten, versuchen diese Entwicklung umzulenken und geben den Kindern durch die Konfrontation mit der Natur wieder die Möglichkeit, sich selbst zu erfahren und Körperbewusstsein zu entwickeln. Wer die Natur nicht persönlich als Regenerationsfeld erfahren hat, wird auch als Erwachsener wenig für sie übrig haben. Der weiteren Zerstörung der natürlichen Lebensräume sind damit Tür und Tor geöffnet.

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