Aus Grün wird Schwarz

Ausverkauf grüner Werte oder wie die Partei der Grünen schwarz wurde

Grüne werden schwarz

In den 80er-Jahren waren sie die Revoluzzer in der eintönigen Parteienlandschaft unter Helmut Kohl. Heute führen sie mit den Christdemokraten Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen, schicken Soldaten nach Afghanistan und unterstützen geschlossen den Billionen-Rettungsfond, obwohl nach dem Bundestagsbeschluss viele Mitglieder der Grünen vor laufender Kamera zugaben, dass sie über Sinn und Zweck des Finanzhebels nicht informiert sind.

Was ist aus den einstigen Hoffnungsträgern geworden? Sie sind etabliert, harmlos und flügellahm. Sie haben sich dem Mainstream der Gesellschaft unterworfen und agieren nicht mehr am Rand, wo die größten Veränderungen möglich sind. Offenbar haben sie von ihren SPD-Kollegen gelernt, die einen schizophrenen Spagat in Bezug auf soziale Grundwerte geleistet haben: Hartz IV, Agenda 2010, Rente ab 67 – alles Entscheidungen gegen den Willen der Basis, durchgeboxt von Führern wie Schröder und Müntefering.

Unter dem Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ warfen auch manche Öko-Aktivisten beim Aufstieg zum Spitzenverdiener ein paar sperrige Ideale über Bord. Dreizehn Jahre lang saß die Grünen-Politikerin Margareta Wolf für die Anti-Atom-Partei im Bundestag. Heute berät sie für die Agentur Deekeling Arndt Advisors auch den Informationskreis Kernenergie. Urgestein Rezzo Schlauch wechselte nach einer Wahlschlappe die Seite – in den Beirat des Atomkraftwerksbetreibers EnBW. Marianne Tritz, Bundestagsabgeordnete der als Nichtraucher-Partei bekannten Grünen, wandelte sich zur Cheflobbyistin des Deutschen Zigarettenverbands. Matthias Berninger setzte sich als grüner Verbraucherschutz-Staatssekretär gegen die Fettleibigkeit bei Kindern ein, bevor er sich für einen Chefposten beim Schokoriegelhersteller Mars entschied. Von der seltsamen Wandlung der Gründungsmitglieder Otto Schily und Joschka Fischer wollen wir hier gar nicht mehr reden.

Von einem gesundheitlich angeschlagenen Jürgen Trittin und einer Claudia Roth, deren persönliches Image eher in einen VHS-Strickkurs passt, sind keine bahnbrechenden Innovationen mehr zu erwarten. Alle Parteien geben sich inzwischen ein grünes Image und als Friedenspartei hat die GAL längst ihr Zepter abgegeben. Und so trägt auch diese Partei zu einer weiteren Politikverdrossenheit der Menschen bei. Die Grünen müssen damit leben, dass sie ebenso überflüssig geworden sind wie alle anderen Parteien auch. Die Veränderung der Gesellschaft geht heute von zivilgesellschaftlichen Foren und Protestorganisationen wie Avaaz oder der Transition-Bewegung aus. Die politische Führung ist dabei, sich für das gesellschaftliche System von Morgen komplett entbehrlich zu machen. <-

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