Familie & Gemeinschaft

Nach einer jüngsten Befragung des Deutschen Jugendinstituts wünschen sich fast alle der befragten Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren für ihre Zukunft eine eigene intakte Familie. Dieser Wunsch steht jedoch diametral zur Realität, in der Lebensformen wie die der »Eineltern- und Patchwork-Familie«, der »Adoptiv- und Pflegefamilie« zunehmen bzw. sich Trends wie »Leben in der Gemeinschaft« abzeichnen. Die Vision der »Institution Familie« als Hort der Sicherheit und Geborgenheit strandet also an der Auflösung klassischer Werte und der Tatsache einer Scheidungsrate von beinahe 50 %.

Aus einer erweiterten Perspektive betrachtet, macht diese Entwicklung dennoch Sinn. Es gilt, neue Formen des sozialen und familiären Miteinanders zu erproben. Während man früher den Preis für das »familiäre Aufgehobensein« mit persönlicher Anpassung und Unterordnung an das normative System Familie bezahlte, beschert uns heute der Egotrip das Gefühl des familiären Entwurzeltseins. Keiner der beiden Wege scheint also die erwünschte Erfüllung zu bringen.

Möglicherweise dient die aktuelle Entwicklung dem Bewusstseinsprozess, dass Sicherheit und Geborgenheit weder als eine Einrichtung des Staates, der Kirche noch der Familie zu finden sind, sondern nur in sich selbst oder in der Hingabe an ein ganzheitlicheres Verständnis vom Leben. Gesetze und religiös-moralische Knebel können da nicht weiterhelfen. Tatsache ist, dass uns die klassische Familienform im aktuellen Kontext beruflicher und persönlicher Profilierung keine Überlebenschance bietet, wenn sich geschlechtsspezifische Rollenerwartungen auflösen und etablierte Werte relativieren. Heute kann die Frau im Berufsleben ebenso erfolgreich sein wie der Mann. Umgekehrt sind Männer heute viel stärker in den familiären Alltag eingebunden, und das beginnt bereits mit der Geburt ihrer Kinder. Dann gibt es noch den Gedanken gemeinsamer Ideale, die in Lebensgemeinschaften verwirklicht werden wollen. Wer diesen Trend nicht sehen will, wird seinen »familiären Traum« nicht wirklich erfahren können und seiner selbst kreierten Illusion hinterher jagen.

Was im Moment bleibt, ist das Vertrauen, dass auch scheinbar »entartete« Entwicklungen eine tiefere Bedeutung offenbaren. Wir sollten uns daher von fertigen Konzepten über die Familie lösen und nach Wegen suchen, wie wir unser Bedürfnis nach seelischer Heimat und persönlicher Verwurzelung in der Gesellschaft befriedigen können. Und da dürfen Sie sich ruhig kreativ in der Erforschung verschiedener Praktiken ausprobieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.