Der Wind hat sich gedreht

Man muss schon mit blickdichten Scheuklappen durch die Welt gehen, um die derzeit grassierende schleichende Unterwanderung der persönlichen Freiheit auch in Deutschland zu ignorieren. Was George Orwell in seinem Roman »1984« zum Schaudern seiner Leser inszenierte, stellt sich heute leider als bittere Wahrheit heraus.

Dass sich die Mehrheit lieber in medieninszenierten Scheinwelten als in der Realität aufhält, beweist das am 1. April in Kraft tretende Gesetz zur Lockerung des Bankgeheimnisses, das staatlichen Einrichtungen das Abrufen persönlicher Kontobewegungen erlaubt. In stoischer Gelassenheit verharrend, stört es die Bürger auch herzlich wenig, dass ab Januar 2006 ihre Reisepässe mit einem integrierten Chip zur Erfassung und dauerhaften Speicherung der biometrischen Daten versehen werden. Und während am Abend in heimischen Wohnzimmern »Big Brother« die Zukunftsvision vom »gläsernen Menschen« spinnt, schöpft der Zuschauer anscheinend nicht im geringsten den Verdacht, dass er bereits selbst zum offenen Buch aller Staats- und Wirtschaftsorgane mutiert ist. Dass DNA-Analysen zur Fütterung der »Volksdatenbank« nicht nur bei kleinen Strafdelikten, sondern klammheimlich schon beim Arztbesuch angedacht sind, scheint für die Masse ohne Belang.

Kurzum: Was der Mensch sich seit Beginn der Neuzeit hart und blutig erkämpft hat, nämlich sein Recht auf Freiheit und Gleichheit unter Wahrung der persönlichen Würde, wird im angehenden 21. Jahrhundert sukzessive unter dem Deckmantel der Sicherheit wieder untergraben. Dabei sind Gewalt und Verbrechen seit den neunziger Jahren stetig rückläufig!

Nein, unseren Machtinhabern geht es nicht um Sicherheit, sondern um die totale Kontrolle jedes Einzelnen. Schließlich ist das Wirtschaftspotenzial des Steuerzahlers noch lange nicht ausgeschöpft. War es im Mittelalter nur der Zehnte, so sind es heute schon mehr als als die Hälfte, die der Staat für jeden ausgegebenen Euro kassiert. Da ist noch reichlich Kapital zu schlagen …