Baal

Aus dem "Lexikon der Götter und Dämonen" von Manfred Lurker, Kröner Verlag, Stuttgart, ISBN 3 520 82001 3

Sturm- und Fruchtbarkeitsgott der Westsemiten, teils anthropomorph, teils in Stiergestalt dargestellt. Das Wort ba'l bedeutet "Eigentümer, Herr" und kann ganz allgemein als Theonym dienen und bezeichnet dann verschiedene Lokalgötter wie z. B. Baal-Sidon oder Baal-Libanon; der Baal von Tyros wurde als Melqart bekannt. In ganz Syrien nahm Baal-Hadad eine zentrale Stellung ein. Mit den Hyksos kam der Baal-Glaube auch nach Ägypten, wo das Bild des Gottes durch eine konische Mütze mit langem Band und Stierhörnern gekennzeichnet ist; bald danach wurde Baal mit Seth identifiziert.

Melqart
(Eigentlich Milk-qart "Stadtkönig"), Hauptgott von Tyrus in Phönikien und auch in deren Tochterstadt Karthago verehrt. Er hat eine Beziehung zum Meer und zur Seefahrt; auf Münzen wird er abgebildet, wie er auf einem Seepferd reitet. Später galt er auch als Sonnengott, was zur Gleichsetzung mit Herakles beigetragen haben mag.

Seth
(Setech, Sutech), zwielichtiger Gott der alten Ägypter. Als Herr der Wüste ist er Widersacher des Vegetationsgottes Osiris; im Streit der beiden Brüder wird die ständige Auseinandersetzung in der Welt widergespiegelt. Da Seth seinen Bruder ermordete, wurde er später zur Verkörperung des Bösen und deshalb in der interpretatio graeca mit Typhon wiedergegeben; hierzu paßt auch, daß er als Gott der nichtägyptischen Länder aufgefaßt wurde. Als Seth zugehörige Tiere galten neben dem Pferd und der Antilope vor allem Schwein, Nilpferd und Krokodil. In seinem positiven Aspekt erscheint der Gott als (oberägyptischer) Partner des (unterägyptischen) Königsgottes Horus; am Bug des Sonnenschiffes stehend, bekämpft er die Apophisschlange.

Baal Hammon - Fruchtbarkeits- und Ritualgott  Baal-Hammon

Erstmals in einer Inschrift aus dem phönikischen Zindschirli erwähnter Gott. Der Name wird gedeutet als "Herr der Räucheraltäre". Bekannt ist er vor allem als Hauptgott von Karthago, von wo aus er auf Malta, Sizilien und Sardinien eingeführt wurde. In Nordafrika galt er hauptsächlich als Fruchtbarkeitsgott, wofür auch das ihm in römischer Zeit beigelegte Epitheton Frugifer ("Fruchtträger") spricht. Auf Sizilien und in Afrika gehörten Kinderopfer zu seinem Kult. Durch die Namensähnlichkeit mit dem Oasengott Ammon erblickte man auch in ihm einen Orakelgott. Bei den Griechen wurde Baal Hammon mit Kronos, bei den Römern mit Saturn gleichgesetzt.

Bebellahamon
Nordarabischer (palmyrenischer) Gott, in dem man eine Variante des punischen Baal Hammon erblickt hat.

Ammon
Als Widder dargestellter Gott der westägyptischen Oase Siwa und ihrer im Altertum berühmten Orakelstätte (Ammonium). Ammon ist die griechische Namensform des ägyptischen Amun. Seit seinem Besuch in der Oase Siwa hielt sich Alexander der Große für einen Sohn des Zeus-Ammon ähnlich wie die Pharaonen als Söhne des Amun-Re galten. Nordafrikanische Felszeichnungen mit dem sonnenscheibentragenden Widder werden als Ausstrahlung des Ammon-(Amun)Kultes betrachtet.

Kronos
Ursprünglich ein vorgriechischer Fruchtbarkeitsgott, auf den das Erntefest der Kronien (vergleichbar den römischen Saturnalien) zurückzuführen ist. In der griechischen Mythologie ist er ein Titan, Sohn des Himmelsgottes Uranos und der Erdgöttin Gaia. Er überfiel seinen Vater, entmannte ihn und bemächtigte sich der Weltherrschaft. Um seinerseits vor ähnlichem Schicksal bewahrt zu bleiben, verschlang er alle seine Kinder, bis auf Zeus, an dessen Stelle seine Gattin Rheia ihm einen in Windeln gewickelten Stein reichte. Der in der Verborgenheit herangewachsene Zeus entthronte schließlich seinen Vater und stürzte ihn in den Tartaros.

Saturnus
Römischer Gott des Ackerbaues, wahrscheinlich wurde er von den Etruskern übernommen. Schon im 5. Vorchristlichen Jahrhundert erhielt er auf dem Forum einen Tempel, in dem die römische Staatskasse (aerarium) aufbewahrt wurde. Sein Fest waren die Saturnalien (17.-19. Dezember) mit dem Brauch, daß die Herren die Sklaven zu bedienen hatten; auch schenkte man sich Kerzen, deren Licht eine magische Feuerzufuhr an die entkräftete Wintersonne bewirken sollte. Im Mythos erscheint Saturn als Gemahl der Ops und als Vater des Jupiter; mit seinem Namen ist die Vorstellung eines goldenen Zeitalters verbunden. Seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. wird Saturn mit dem griechischen Kronos gleichgesetzt.

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